Kategorie: Endstufen

Einzeltest: Jeff Rowland Design Group Model 725


Eine neue Art von Vernunft

Endstufen Jeff Rowland Design Group Model 725 im Test, Bild 1
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Ja, gewiss, es ist HiFi auf höchstem Niveau mit dem dazugehörigen Preisschild. Trotzdem sind die neuen Monos von Jeff Rowland so ziemlich das Sinnvollste, was die Verstärkertechnik seit langer Zeit hervorgebracht hat

Mitspieler


Plattenspieler:

 Transrotor Fat Bob / Reed 3p / Lyra Atlas
 Clearaudio Master Innovation / Universal / Goldfinger

69
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Phonovorstufen:

 Audio Research Reference Phono 10

Vorstufen:

 MalValve preamp 4 line

Lautsprecher:

 Audio Physic Avantera
 Klang + Ton Nada

Zubehör:

 Netzsynthesizer Accuphase PS-1220
 NF-Kabel von van den Hul und Transparent
 Phonokabel van den Hul
 Lautsprecherkabel von Transparent
 Plattenwaschmaschine von Clearaudio 


Gegenspieler


Endstufen:

 Accustic Arts AMP II MK II
 Rogue Audio Stereo 90  


Zu Verstärkern von Jeff Rowland habe ich ein ganz besonderes Verhältnis, und das liegt an meinem alten Kumpel Horst. Der hatte nämlich damals, so vor knapp 20 Jahren, eine Anlage, die ich bis zum heutigen Tage zu den besten zähle, vor denen ich jemals sitzen durfte. Als Lautsprecher in Horsts ziemlich großem Wohnzimmer fungierten riesige Elektrostaten von Acoustat, zusammengesetzt aus mehreren kleineren Wandlerelementen. Leider hatten die Lautsprecher ein rekordverdächtig niedriges Impedanzniveau und beförderten reihenweise Verstärker ins Nirvana – und da waren reichlich renommierte Sachen dabei. Ruhe kehrte erst ein, als Horst eines Pärchens Rowland-Monos habhaft wurde – ich glaube, es waren „Model 7“. Seitdem habe ich im Hinterkopf: Rowland? Klingt hervorragend und geht nicht kaputt. Jeff Rowland ist ein groß gewachsener, angenehm dezenter Mensch und durch und durch Ingenieur.

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Er hat eine durchaus spezielle Sichtweise dazu, wie Verstärker funktionieren sollten, nicht sauber physikalisch untermauerbare Dinge sind ihm allerdings ein Gräuel. Dogmen im Verstärkerbau kennt er gar nicht, einzig mit Röhren mag er sich nicht einlassen. In den ersten Jahren nach Unternehmensgründung baute Rowland seine Verstärker so, wie man sich das bis heute vorstellt: überaus leistungs- und vor allem strompotent, mit dicken Trafos, reichlich Kühlkörper und viel Ruhestrom für einen möglichst ausgedehnten Class- A-Betrieb. Zu dieser Generation gehören auch besagte Model 7, der Hersteller attestiert den Geräten eine Stromlieferfähigkeit bis zu 150 Ampere (was der Grund für die Eignung zum Betrieb an einem veritablen Kurzschluss war). In den Neunzigern dann änderte Rowland die Marschrichtung gründlich: Er war einer der ersten, der Schaltverstärker im hochwertigen Segment hoffähig machte, seine damit ausgestatteten Endstufen waren allerdings immer noch riesig: Die Netzteile arbeiteten immer noch mit großen Trafos, vereinzelt sogar mit Akkus. Trotz unbestreitbarer Qualitäten hielt sich die Akzeptanz der Geräte in Grenzen: Groß, schwer und heiß war immer noch das, was die Kundschaft forderte. Sprung in die Gegenwart: Schaltverstärker gibt’s bei Rowland immer noch. Allerdings in Kombination mit einem Schaltnetzteil. Dabei heraus kommen kompakte, leichte und energieeffiziente Geräte, die ausgezeichnet spielen und trotzdem Wertigkeit verkörpern. Wem diese Gerätebaureihe zu niedlich ist, für den gibt’s seit einiger Zeit neue Alternativen bei Jeff Rowland, unter anderem die „Model 725“, um die es hier gehen soll. Dabei handelt es sich um ein Paar Monoendstufen für stolze 35.500 Euro pro Paar. Dafür gibt’s sensationell gestylte und verarbeitete Gehäuse, die integraler Bestandteil des Konzeptes sind. Leistung ist kein Thema, mit über 300 Watt an acht und über 600 Watt an vier Ohm bedienen die Geräte jedwede Anforderung in dieser Hinsicht souverän. Mit knapp 40 Zentimetern Breite bleiben die Monos unter den üblichen Abmessungen, und 24,5 Kilogramm Gewicht sind, mit highendigen Maßstäben gemessen, auch eher unspektakulär. Wie geht das? Jeff Rowland tut zwei Dinge: Er reduziert den gerne als Allheilmittel titulierten Ruhestrom auf ein sinnvolles Maß und überlässt die Versorgung einem Schaltnetzteil. Die Verstärker selbst sind von konventioneller, aber ausgefuchster Machart. Mit Schaltnetzteilen hat Rowland mittlerweile reichlich Erfahrung, deshalb hat er auch keine Hemmungen, sie in so hochwertigen Verstärkern einzusetzen. Und machen wir uns nichts vor: Eine gute Schaltversorgung ist jeder Kombination aus Trafo, Gleichrichter und Siebung in Sachen Stabilität und Sauberkeit der Ausgangsspannungen deutlich überlegen. Ein Indiz dafür ist der Umstand, dass die 725 an vier Ohm fast genau doppelt so viel Leistung liefern wie an acht – das Netzteil bleibt einfach stabil. Ein weiterer Punkt ist der zum Schaltnetzteil gehörende „Power Factor Corrector“: Diese Baugruppe sorgt dafür, dass Phasenverschiebungen zwischen Strom und Spannung auf der Netzseite der Vergangenheit angehören. Gerade dicke Trafos sind in dieser Hinsicht wenig vorbildlich, und über kurz oder lang werden unsere regulierenden Freunde aus Brüssel solcherlei Ungemach einen Riegel vorschieben. Wer diesbezüglich auf der sicheren Seite sein will – mit Jeff Rowland geht’s. Auch Netzspannungsschwankungen sind kein Thema mehr, die Verstärker „sehen“ unter allen Umständen konstante Betriebsspannungen. Und all das gibt’s mit Abmessungen, die dramatisch unterhalb derer einer klassischen Lösung liegen. Mal ehrlich: Wieso macht das Gros der Hersteller das eigentlich nicht so? Im Inneren des aus einem gewaltigen Alublock gefrästen Gehäuses gibt’s zwei Platinen, die Rücken an Rücken montiert sind. Eine gehört zur Versorgung, eine bildet den Verstärker. Jeder Kanal der symmetrischen Endstufe arbeitet mit 16 sehr modernen Leistungshalbleitern: Die bipolaren Typen haben fünf Anschlüsse, weil ein Temperaturfühler mit eingebaut ist. Das gesamte Gehäuse fungiert als effektiver Wärmeableiter dafür, wobei es so viel nicht abzuleiten gibt: Eine Ruheverlustleistung von rund 90 Watt ist für eine so potente Endstufe verhältnismäßig wenig. Natürlich gibt’s auch hier einen Class-A-Bereich, aber der kommt nur da zum Zuge, wo es entscheidend ist: im Bereich geringer Ausgangsleistungen. Auffällig ist die abwechselnde Montage eines NPN- und eines PNP-Transistors; dieses Layout erlaubt eine sehr enge Kopplung beider Endstufenzweige. Eine weitere Rowland-Spezialität steckt in einem kleinen Abschirmkästchen: Ein Übertrager vom schwedischen Spezialisten Lundahl koppelt das Eingangssignal an die Verstärkerschaltung. Auf der Rückseite fallen die exzellenten Cardas-Lautsprecherklemmen auf. Die kommen zwar nur mit Kabelschuhen zurecht, garantieren aber so viel Anpressdruck und damit Kontaktsicherheit wie sonst kein anderes Terminal. Und von vorn? Ein dezent illuminierter Taster auf der Front mit dem legendären (und patentierten) „Rowland-Schliff“. Das sieht nicht nur toll aus, es ist zudem auch absolut einzigartig. Bereiten wir den Rowlands erst einmal ein angemessenes Umfeld: Die Vorverstärkung besorgt unser bewährter Mal- Valve preamp 4 line, selbstredend symmetrisch mit den US-Monos verbandelt. Als Lautsprecher nehmen wir die bewährte Audio Physic Avantera; die fordert Verstärker mit ihren vier Basschassis wenigstens ein bisschen und bestraft mangelndes Kontrollvermögen erfahrungsgemäß ziemlich gnadenlos. Den Anfang macht die unsterbliche Nina Simone, 1970 live eingefangen. „Black Is the Color of My True Love‘s Hair“ kenne ich gut, aber hier ist spontan etwas anders als sonst: der Raum. Er hat nämlich Kontur. Die Bühne hat auf einmal eine begrenzte Größe, ein gewisses Maß an Intimität. Hier fallen auch die interessanten Größenverhältnisse plötzlich drastisch auf: Das Klavier ist winzig klein, die Stimme riesig. Die Gitarre, die kurz vor Schluss die ersten echt stereofonen Eindrücke einläutet, zerreißt die Intimität beinahe brutal. Ich staune – weil ich dachte, die Aufnahme zu kennen. Die Rowlands allerdings fördern hier Dinge zutage, die sonst schlicht unter dem Teppich landen. Über den Dingen allerdings thront diese einmalige Stimme, und die 725 stellen sie auf den Sockel, auf den sie gehört – toll. Das macht Lust auf mehr. Auf den Teller wandert Miss Simones fantastisches Carnegie-Hall-Konzert von 1963. „Black Swan“ entfaltet eine nahezu hypnotische Wirkung, das ganz langsam immer heftiger werdende Stück ist in Stimme gegossene Inbrunst. Hüben wie drüben hört man jeden Dreh am Mischpult, jede Pegeländerung servieren die Rowlands mit größter Selbstverständlichkeit. Das ganz leise Brummen auf der Aufnahme? Ja, das gibt es, wie ich jetzt weiß – zumindest über weite Strecken. Darf man so edles Equipment eigentlich auch mit „irdischer“ Musik betreiben? Probieren wir‘s doch einfach mal und legen „Lights Out“ auf, das jüngste Album der schwedischen Bluesrocker „Graveyard“, Mehr als den ersten Titel braucht‘s nicht, um die Eignung der 725 für so was nachdrücklich unter Beweis zu stellen: Das Ganze hat Energie, Saft, Strom, dass es eine wahre Freude ist. Und wer meint, auf solchen Scheiben sei keinerlei Differenzierung versteckt, der wird hier klar eines Besseren belehrt: Die Rowlands arbeiten die Stimme des Sängers (ja, den kann man wirklich so bezeichnen) sauber aus der Wall of Sound seiner Kollegen heraus. Natürlich wurde es dann doch das ganze Album und nicht nur der erste Titel. Los, einmal noch „Ramada Inn“ von Neil Youngs aktuellem Longplayer „Psychedelic Pill“ – das ist auch das letzte Mal, dass ich Sie in Sachen Hörtest damit malträtiere, versprochen: Die zweite Gitarrenstimme reißt nach ein paar Sekunden den Raum auf – unfassbar, was hier alles versteckt ist. Choreinsatz? Ich könnte wetten, die Herren von Crazy Horse singen zumindest zum Teil hinter mir. Und wieder beeindruckt diese Klarheit, diese Stringenz und Verbindlichkeit, mit der die Verstärker den Zuhörer davon überzeugen, dass das ganz genau so und nicht anders zu klingen hat. Ich finde es höchst erstaunlich, in welch hohem Maße hier „richtig“ suggeriert wird, was für eine enorme Ruhe und Entspanntheit beim Musikhören sorgt. Eine so überragende Vorstellung in Verbindung mit den unbestreitbaren technischen Vorteilen der Geräte – überzeugender können Geräte in dieser Preisklasse nicht argumentieren.  

Fazit

Die Rowland Monos sind moderne Hochleistungsverstärker vom Feinsten: klanglich überragend, optisch ein Genuss, technisch überzeugend – mehr kann man nicht tun.

Preis: um 35500 Euro

Endstufen

Jeff Rowland Design Group Model 725


11/2013 - Holger Barske

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Active Audio, Nürnberg 
Telefon 0911 880330 
Internet www.active-audio.de 
Garantie
Ausführungen k.A. 
Abmessungen (B x H x T in mm) 394/146/413 
Gewicht (in Kg) 24.5 
Unterm Strich... » Die Rowland Monos sind moderne Hochleistungsverstärker vom Feinsten: klanglich überragend, optisch ein Genuss, technisch überzeugend – mehr kann man nicht tun. 
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Autor Holger Barske
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Datum 19.11.2013, 11:21 Uhr
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Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
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