Kategorie: Endstufen

Einzeltest: PS Audio BHK Signature 250


Teilevakuierung

Endstufen PS Audio BHK Signature 250 im Test, Bild 1
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PS Audio? Das sind doch die mit dem ganzen Digitalgedöns. Und den Netzfiltern. Die machen Endstufen?

Moment, Moment. Ganz langsam. Richtig ist, dass PS Audio in den letzten Jahren vor allem mit hochmodernen D/A-Wandlern und Streaming-Komponenten Furore gemacht hat. Und davor mit Netzstromverbesserern jeglicher Art, von denen wir das Topmodell P10 bis heute täglich einsetzen. Aber das ist beileibe nicht alles: Da git‘s auch noch eine ganze Reihe toller Phonovorstufen bis hin zum topmodernen „NuWave Phono Converter“, der das Tonabnehmersignal auch gleich in einen DSD-Datenstrom verwandelt – wir berichteten. Was es allerdings lange nicht gab sind „richtige“ Verstärker. In der langen Geschichte des Herstellers zwar schon, aber in den letzten Jahren nicht. Und genau das wollten Firmenchef Paul McGowan jetzt mal so langsam ändern. Der Mann hat eine lange Vergangenheit im HiFi-Metier; er ist langjähriger Weggefährte von Infinity- und Genesis-Gründer Arnie Nudell und hat in der Zeit schon reichlich Erfahrungen mit Verstärkern gesammelt.

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Genug, um mit der Entwicklung seiner neuen Endstufen einen alten Recken aus eben jener Zeit zu betrauen. Bascom H. King heißt der Mann, und der bringt beste Referenzen mit: Die Liste seiner bisherigen Arbeitgeber erstreckt sich von Marantz über Counterpint bis Conrad-Johnson. Auch für den Sündteuer-Hersteller Constellation Audio hat er schon entwickelt, auch für Audio Alchemy, Paul McGowans Unternehmen vor dem Start von PS Audio. Womit auch die Herkunft des Kürzels „BHK“ in der Typenbezeichnung des Gerätes geklärt wäre. Das Ergebnis von Herrn Kings Arbeit finde ich absolut erstaunlich und es kann nicht einfach gewesen sein, Paul McGowan von dem hier eingeschlagenen Kurs zu überzeugen. Der, respektive die Verstärker (es gibt noch eine Monoversion namens BHK Signature 300) sind so gar nicht das, was man angesichts der technologisch an vorderster Front angesiedelten PS Audio-Produkte der letzten Jahren erwarten würde. Optisch passt´s wie die Faust aufs sprichwörtliche Auge, weil der Verstärker im über die Jahre zum Corporate Design avancierten „Perfect Wave“-Look realisiert wurde und im so ziemlich gleichen Gehäuse steckt wie der Stromaufbereiter P10, klein und zierlich ist also eher nicht das Gebot der Stunde. Erwartet hätte ich etwas im Formfaktor der digitalen Quellgeräte von PS Audio mit Schaltnetzteil, möglicherweise sogar einen schaltenden Verstärker. Nein. Gibt´s nicht. Aber so gar nicht. Die BHK Signature 250 ist ein netto stolze 37 Kilogramm schwerer Ausflug in die besseren Tage der High Fildelity mit allem was dazu gehört. Da wären zum Beispiel Röhren, wie ein Blick auf die Rückseite des 10000 Euro teuren Großkalibers verrät. Diesen Preis argumentiert Paul McGowan übrigens erfrischend offensiv: „Sind Sie es nicht auch leid, dass die richtig guten Verstärker ein sechsstelliges Preisschild haben müssen?“ Sehr schön, Paul – es ist halt alles eine Frage der Perspektive. Röhren? Bei PS Audio? Aber ja: Bascom H. King schneiderte für PS Audio einen Hybridverstärker, bei dem Röhren die Spannungsverstärkung am Eingang und Halbleiter die Bereitstellung der Ströme am Ausgang übernehmen. Das ist ganz gewiss nicht neu, vielmehr ein wenig aus der Mode gekommen und generell eine ziemlich gute Idee. Angeblich hat King diese Topologie sogar erfunden und seinerzeit sogar in einem Infinity-Verstärker erfolgreich eingesetzt. A propos Infinity: Mit Lautsprecherentwicklerlegende Arnie Nudell hat Paul McGowan übrigens einen ziemlich prominenten „Endorser“ für das Konzept gewinnen können, der äußert sich auf der Webseite des Herstellers nämlich überaus begeistert über die Verstärker. Sieh mal einer an. McGowan, King, Nudell: Puttin The Band Back Together. Mit 280 Watt an acht und derer 450 an vier Ohm ist das hier ein ziemlich ernster Hochleistungsverstärker, der auch vor schwierigen Lautsprechern nicht kapitulieren sollte. Die Musik jedoch, die wird dem Vernehmen nach ganz vorne am Eingang des Verstärkers gemacht, und dafür sind evakuierte Glaskolben zuständig. Pro Kanal gibt´s eine Doppeltriode vom Typ E88CC; untadelige Neuware in guter Qualität, die einen Austausch gegen alte Originale nicht sinnvoll erscheinen lässt. Gleichwohl ist das möglich und dank des abnehmbaren Gitters auch ziemlich einfach zu bewerkstelligen. Röhren in einem PS Audio-Gerät. Ich kann´s immer noch nicht fassen. Die Doppeltriode arbeitet offensichtlich als Differenzverstärker, der sowohl symmetrisch als auch unsymmetrisch angesteuert werden kann, der gesamte Verstärker ist symmetrisch aufgebaut. Das Bereitstellen der Ausgangsleistung übernimmt eine ganze Armada von Mosfets. Allerdings setzte King auf eine „quasikomplemetäre“ Konfiguration, bei der nur N-Kanal-Typen benutzt werden. Die sind nämlich ihren P-Kanal-Kollegen technisch überlegen. Die Ansteuerung einer solchen Anordnung erfordert etwas mehr Grips als die üblich Anordnung – kein Problem für Bascom H. King. Ansonsten setzt er auf hohe Bandbreite und wenig Gegenkopplung, einer bewähten Maxime für gut klingende Verstärker. Allerdings auch eine, die hohe Ansprüche an die Qualität der Bauteile stellt und eine extrem saubere Signalführung erfordert. Die Röhen- und die Halbleiterfraktion dürfen an komplett getrennten Stromversorgungen saugen, für die Röhren gibt´s gar geregelte Betriebsspannungen. Was es interessanterweise gar nicht gibt: SMD-Bauteile. Klingt nicht, sagt „BHK“. Dafür aber traditionell audiophile zutaten wie PRP-Wiederstände und REL-Kondensatoren.  Ein Händchen für Details verraten zum Beispiel auch die Lautsprecherklemmen: vergoldetes Massivkupfer und kein schnödes Messing. Es gibt übrigens zwei Sätze davon. Bi-Wiring und so. Aufgebaut ist das Ganze makellos: Ein Stromverstärkermodul nebst voluminösem Kühlkörper links, eins rechts. In der Mitte die zwei potenten Ringkerntrafos, ganz hinten die Röhreneingangsstufe, davor die Stromversorgung für eben jene. Schön kurze Signalwege, im Falle eines Falles ziemlich einfach zerlegbar. Deckel drauf – die schwarz glänzende Platte ist übrigens keinesfalls aus Glas, wie man vermuten könnte, sondern aus sauber lackiertem MDF – und ab an die Anlage damit. Falls möglich, sollte man der Endstufe übrigens ein symmetrisches Eingangssignal gönnen. Die Röhre symmetriert zwar auch Cinch-Kost, via XLR klingt´s aber einen Tick offener und gelöster. Wer übrigens auf der Suche nach einer „stilistisch“ passenden Vorstufe von PS Audio ist, den müssen wir enttäuschen: Der Hersteller hat keinen klassischen Vorverstärker im Programm, nur D/A-Wandler mit einstellbarem Ausgangspegel. Ob da noch was kommt? Keine Ahnung , warten wir mal bis zur High End in München. Unsere symmetrische MalValve-Vorstufe sprang in der Zwischezeit natürlich gerne helfend ein, das Duo stellte auch gleich ein höchst interessantes Klangbild in den Hörraum: Es tönt nämlich so überhaupt nicht nach dickem Transistorverstärker, vielmehr nach extremer Agilität und Feinzeichnung. In dieser Intensität hätte ich auf einen kleinen, aber feinen Class-A-Verstärker getippt, aber nicht auf einen solchen Brecher. Die PS Audio hat überhaupt keine Problem damit, auch einen 95-Dezibel-Lautsprecher wieselflink um die Ecken zu schubsen, was ganz erstaunlich ist: So wenig gefordert, neigen solche Kaliber fast immer zu einer gewissen Trägheit. Hier nicht, Colin Walcotts komplexe Percussion auf Codona III, dem letzten Album des berühmten Jazz-Trios perlt mit unvergleichlicher Eleganz und Leichtigkeit von den Membranen. In Sachen Raum gibt sich die Endstufe dabei gänzlich unamerikanisch Diszipliniert; sie stellt die Ereignisse sehr präzise und fein. Interessant wird´s, wenn man auch einen gänzlich anders gearteten Lautsprecher wechselt: Die Audio Physic Avantera plus+ ist deutlich leiser und mit ihren vier Bassmembranen eine ganz andere Verstärkerlast: Trotzdem ist der klangliche Charakter genau so pfeilschnell und quirlig wie mit der Hochwirkungsgradkonzept. Große Klasse – endlich mal eine in allen Lebenslagen wirklich zackige Leistungsendstufe!

Fazit

Mit klassischen Zutaten zu herausragender  Klangqualität: Der Hybrid von Bascom H. King  ist ein extrem agiler und fein zeichnender Allroundverstärker, der sich  an jeder Art von Lautsprecher pudelwohl fühlt.

Kategorie: Endstufen

Produkt: PS Audio BHK Signature 250

Preis: um 9900 Euro


10/2016
 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb HiFi 2 die 4, Leinzell 
Telefon 07175 909032 
Internet www.hifi2die4.de 
Garantie 3 Jahre 
Abmessungen (B x H x T in mm) 430/220/360 
Gewicht (in Kg) ca 37 
Unterm Strich... » Mit klassischen Zutaten zu herausragender Klangqualität: Der Hybrid von Bascom H. King ist ein extrem agiler und fein zeichnender Allroundverstärker, der sich an jeder Art von Lautsprecher pudelwohl fühlt. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 25.10.2016, 09:57 Uhr
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Topthema: Die ewige Legende
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Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
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