Kategorie: Endstufen

Einzeltest: Pass Labs XA30.5


Kleinigkeit

Endstufen Pass Labs XA30.5 im Test, Bild 1
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Das Pass-Programm zählt derzeit zehn verschiedene Endstufenmodelle. Wohlgemerkt: nur Endstufen, Vor- und Vollverstärker nicht eingerechnet. Die kleinste dieser Endstufen wiegt 27 Kilo - das ist doch mal ein Einstiegsmodell

Mitspieler

Plattenspieler/Tonarme

Clearaudio Innovation/Universal
Acoustic Solid Machine/SME M2-12Tonabnehmer
Benz LP-S
Jan Allaerts MC1B
MFSL C3.5Phonovorstufen
Pass XP-15
Leema AgenaVorverstärker
MalValve preamp three line
Vacuumstate RTP3Lautsprecher
Lumen White Artisan
K+T Prototyp

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Gegenspieler

Endverstärker

SymAsym
Audio Research VS60So langsam - ich will’s nicht leugnen - wird’s schwierig, für den Test eines Verstärkers aus Forest Hill, Kalifornien, einen neuen und noch nicht überstrapazierten Einstieg zu finden. Im Lauf der letzten Jahre haben sich zahlreiche Modelle aus „Papas“Firma ein Stelldichein in Duisburg gegeben, und das lag durchaus nicht daran, dass der Vertrieb uns die Preziosen in Mengen angeliefert hat, sondern daran, dass ich quasi pausenlos beim Deutschlandvertrieb um die neuesten Ergüsse des höchst innovativen Unternehmens bettele. Und so ist denn auch diese Pass wieder einmal anders als alle anderen, die vorher die Luft in unserem Hörraum erwärmten - das können sie nämlich alle miteinander ziemlich gut, die Pass-Endverstärker. Dieses Mal darf ’s etwas kleiner sein - immerhin kann man die XA30.5 mal alleine tragen, wenn’s sein muss und die 6.500 Euro Einstandspreis gerade ins Hobby-Budget gepasst haben. Wie üblich, verrät die Typenbezeichnung gleich eine Menge über das Gerät: Das „X“ steht für die patentierte supersymmetrische Schaltungstechnik, das „A“lässt auf viel Ruhestrom, respektive Class- A-Betrieb, schließen, die „30“ sind Watt, nämlich die nominelle Leistung an acht Ohm, das „.5“ ist der neueste Kniff beim Schaltungsdesign - dazu kommen wir noch. Die XA30.5 steckt im mittlerweile quer durch die Palette üblichen Design mit ordentlich Vollmetall an der Front, durch die beiden „Griffe“ lugt ein rundes, blau beleuchtetes Anzeigeinstrument, das nicht etwa Aussteuerung oder Ausgangsleistung anzeigt, sondern den ein der Ausgangsstufe fließenden Strom. So lange der Zeiger regungslos auf der Stelle verharrt, arbeitet der Verstärker im klanglich verheißungsvollen Class-A-Betrieb, erst wenn’s zuckt, ist A/B-Modus angesagt - der Ausgangsstrom übersteigt dann, vereinfacht ausgedrückt, den Ruhestrom, was zu einem nicht mehr konstanten Energiefluss in der Endstufe führt. Hört sich dramatischer an, als es ist, weil nämlich bei 98 Prozent aller Verstärker am Markt der Normalfall.

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Die Seitenteile des Gerätes bilden schräg nach oben gerichtete Kühlprofi le, was in der Form selten zu sehen ist; kein Wunder, denn dieses Profi l lässt man sich bei Pass eigens fertigen und ist in Sachen Wärmeabfuhr ein hoch effizientes Design. Rückseitig gibt’s das Übliche: Cinch- Eingangsbuchsen, XLR-Anschlüsse, ein Satz Lautsprecherterminals, die man, EU sei Dank, nur mit Mühe wieder bananenkompatibel machen kann, und ein weiteres Paar Schraubterminals zur Ferneinschaltung mittels Schaltspannung. Der harte Netzschalter sitzt ebenfalls hinten, aber das ist in diesem Fall mal nicht so schlimm, denn die Endstufe verbraucht in Standby- Betrieb lediglich ein paar Watt, das ist zu verschmerzen. Was aber hat dieser Verstärker, was andere nicht haben? Der Blick unter den Deckel offenbart ein gewaltiges Netzteil, das um ein Vielfaches überdimensioniert scheint -okay, das ist nie ein Fehler. Der Ringkernumspanner ist übrigens einer, den Pass eigens für den deutschen Markt fertigen lässt und der speziell auf die Bedürfnisse unseres Stromnetzes zugeschnitten ist. Die Idee ist zweifellos richtig, ich erinnere mich an eine ganze Reihe Leistungsverstärker aus der „60-Hertz-Welt“, die an unserem Stromnetz unschöne Nebengeräusche produzierten. Überflüssig zu erwähnen, dass die XA30.5 mechanisch still ist wie ein Grab. Oben auf der zentralen Verstärkerplatine steckt das „X“ in Gestalt von zwei „UGS-Modulen“. Die sind bei Pass eine Art Standardbaustein, die in fast allen Geräten zu finden sind und beinhalten eine nach Art des Hauses „supersymmetrisch“ gegengekoppelte vollsymmetrische Verstärkerstufe der letzten Generation. Bei der XA-Baureihe folgen darauf zwei Endverstärkerzüge nach dem berühmten Aleph-Strickmuster. Wir erinnern uns: Die Aleph-Verstärker aus dem Hause Pass gingen in den frühen Neunzigern um die Welt, weil sie als Erste echte Single-Ended- Class-A-Verstärker mit nennenswerter Ausgangsleistung darstellten und für ihren warmen und detaillierten Sound schnell berühmt wurden. Hier nun werden zwei dieser Aleph-Ausgangsstufen vom UGS-Modul symmetrisch angesteuert und bilden somit eine Brückenschaltung. So weit alles einsichtig, aber wo ist jetzt das „.5“? Pass selbst listet eine ganze Reihe von Detailverbesserungen gegenüber den klassischen XA-Modellen (eine XA30 hat’s übrigens nie gegeben, die „kleine“ Stereoendstufe mit dieser Technik ist somit komplett neu), wie neue schnelle Gleichrichter, vergrößerte Siebkapazitäten, eine drastisch erhöhte Stromlieferfähigkeit (20 Ampere sind’s bei der XA30.5) und jede Menge Details, die wir uns hier ersparen. Einen Umstand allerdings verschweigt der Hersteller geflissentlich, nämlich dass das Gerät beileibe nicht nur 30 Watt an acht und 60 Watt an vier Ohm leistet - wir maßen ein Mehrfaches davon; rund 100 Watt an acht und 130 Watt an vier Ohm. Wie kann das sein? Sehr einfach: Die XA30.5 ist kein reinrassiger Class-A-Verstärker wie seine Vorgänger. Ein Teil des „.5“-Upgrades sorgt dafür, dass der Verstärker etwa bei den spezifizierten Leistungen den A-Betrieb verlässt und sanft in den konventionellen B-Betrieb wechselt. Der Grund dafür dürfte einfach darin liegen, dass ein Teil der üblichen Lautsprecher mit 30 Watt - zumindest in den Köpfen der Besitzer - nicht wirklich konsequent auf Trab zu bringen ist. Die Sorge dürfte in vielen Fällen unbegründet sein, aber dennoch: Obwohl die XA30.5 das kleinste Modell der Baureihe ist, kapituliert sie dank ihrer schieren Muskelkraft vor keinem Schallwandler - immerhin stehen hier pro Seite 20 Endstufentransistoren parat, und die sollen für ihr Geld schließlich auch was tun. Pass hören heißt Geduld üben - oder zumindest war das in der Vergangenheit so. Die aktuellen Modelle kommen deutlich schneller zur Sache, und die XA30.5 macht da keine Ausnahme. Zehn Minuten nach dem Einschalten klingt sie bereits hervorragend, eine halbe Stunde später kann ich keine weitergehende Steigerung mehr feststellen. Nicht nur das, tatsächlich kann ich mir kaum noch eine Steigerung vorstellen. Auf dem Bergmann Sindre rotiert eine ziemliche Rarität in Gestalt des 1994er-Livealbums „Toward The Within“von Dead Can Dance. Zarte, zerbrechliche und atmosphärisch dichte Musik, und die Pass tut damit genau das, was wir von Verstärkern aus diesem Hause kennen: Sie zaubert. Sie verleiht dem Geschehen dieses schwer zu beschreibende Quäntchen Magie, das Adrenalin und diverse Endorphine gleichermaßen freisetzt und Musik zu einem aufregenden Ganzen macht. Derzeit höre ich viel mit einem Lautsprecher-Prototyp, bei dem ein exzellentes echtes Bändchen den Hochtonpart übernimmt; ich habe noch keinen Verstärker erlebt, der den unglaublich hoch auflösenden Extremhochtöner derart zwingend wie gleichermaßen sanft an die Kandare nimmt und ihm jeglichen Eigenklang abspricht: Das Resultat ist schlichte Perfektion in Sachen Hochton - das hört sich, und mit dem Begriff bin ich eigentlich sehr vorsichtig, tatsächlich echt an. Wo solcherlei Selbstverständlichkeit herrscht, da fällt der Rechtsdreh am Pegelsteller leicht. Was soll ich sagen - zwar besorgt besagte Box den Tieftonpart mit einem ausgewachsenen Fünfzehnzöller mit nicht zu wenig Wirkungsgrad, aber in Sachen Pegel bin ich belastbar: Beim Experiment, ob zuerst der Zeiger an der XA30.5 wackelt oder der Zuhörer aufgibt, war ich klar zweiter Sieger. Und dabei macht die Pass untenherum Dinge, die laut unglaublich Spaß machen: Sie liefert einen saftigen, rollenden und extrem differenzierten Bass; keinen superstaubigen Prügeltiefton, sondern einen mit Geschmack und Charme. Und doch ist es das nicht, was die Faszination eines solchen Verstärkers ausmacht, genauso wenig wie die großartig aufgeräumte Raumabbildung. Pass ist Weisheit, Kunst, der überlegene Blick fürs große Ganze; mehr Blumen kann man einem Verstärker nicht schenken.

Fazit

Perfektion hat einen Namen: Pass. Selbst die kleinste Endstufe des Programms klingt überragend, treibt jeden Lautsprecher und lässt Gedanken an die größeren Modelle gar nicht erst aufkommen.

Preis: um 6500 Euro

Pass Labs XA30.5

11/2009 - Holger Barske

 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 17.11.2009, 13:13 Uhr
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